Mikrochirurgische Bandscheibenoperation

1.) Lendenwirbelsäule
Schauen Sie sich den Film dazu an Filmsignet

Der Patient wird entweder in Spinalanästhesie oder in Vollnarkose auf dem Bauch gelagert. Unter Röntgensicht wird das gewünschte Segment an der Haut markiert. Dann wird ein kleiner Hautschnitt in der Mitte direkt über der Wirbelsäule von etwa 3.5 cm gesetzt. Nach Spaltung der Faszie wird die Rückenmuskulatur von der Wirbelsäule so weit abgelöst, bis ein kleiner Trichter entsteht, der von der Haut bis zur Wirbelsäule reicht. Haut und Muskulatur werden sodann von einem speziellen, trichterförmigen Weichteilretraktor weg gehalten. Jetzt wird das Operationsmikroskop eingesetzt. Von nun an wird nur noch über das Mikroskop operiert.

Der Wirbelkanal wird eröffnet indem man ein Band (gelbes Band) entfernt, welches den Wirbelkanal nach hinten abschliesst. Meist muss zusätzlich ein wenig Knochen (kleine Teile des Wirbelbogens und des Wirbelgelenks) entfernt werden. Der Nervenschlauch und der gedrückte Nerv werden nun sichtbar. Beide werden schonend ein wenig zur Mitte hin verschoben. Dadurch wird das vorgefallene Bandscheibengewebe sichtbar und entfernt. Die kleine Wundhöhle wird nun ausgiebig mit Spülflüssigkeit gespült, eine Drainage wird eingelegt, um einem Aufstau von Gewebsflüssigkeit vorzubeugen. Die Wunde wird dann vernäht.

Spezialfall: In den Fällen, in denen der Bandscheibenvorfall nicht im Wirbelkanal, sondern im Nervenaustrittskanal liegt (10% der operationsbedürftigen Bandscheibenvorfälle), wird der Hautschnitt nicht in der Mitte, sondern 2 cm neben der Wirbelsäule angelegt. Man legt dabei das äussere Ende des Nervenaustrittskanals frei und entfernt das vorgefallene Bandscheibengewebe. Der Wirbelkanal wird mitsamt seinen Nerven in diesem Fall nicht eröffnet.

Bild5

Bild15

2.) Halswirbelsäule
Schauen Sie sich den Film dazu an Filmsignet

a.) Operation von vorne:
Die meisten Bandscheibenvorfälle im Bereich der Halswirbelsäule werden von vorne operiert. Dabei wird ein kleiner Hautschnitt an der Vorderseite des Halses seitlich vom Schildknorpel (Adamsapfel) angelegt. Die genaue Stelle wird zuvor unter Röntgensicht festgelegt. Die Halsschlagader wird leicht zur Seite und die Speise- und Luftröhre werden leicht zur Mitte gedrängt. So gelangt man an die Vorderseite der Halswirbelsäule. Jetzt wird das Operationsmikroskop eingesetzt. Die Bandscheibe wird nun vollständig ausgeräumt und durch einen Platzhalter ersetzt. Der Platzhalter kann entweder eigener Knochen sein (aus dem Beckenkamm entnommen) oder aus Kunststoff ( sogenannter „Käfig“ oder in der Fachsprache meist „Cage“ genannt). Der Platzhalter wird – vor allem bei Operation in 2 oder mehr Etagen – meist durch ein kleines Plättchen gesichert, welches mit kleinen Schrauben an den angrenzenden Wirbelkörpern befestigt wird. Die Wunde wird dann wieder ausgiebig gespült und verschlossen.

b.) Operation von hinten:
Liegt der Bandscheibenvorfall seitlich im Nervenaustrittskanal und drückt hier auf den Nerv, kann auch von hinten operiert werden. Es wird in diesen Fällen das Wirbelgelenk bis zu 50% abgefräst. Dadurch eröffnet man den Nervenaustrittskanal und trifft auf den Nerven (dorsale cervikale Foraminotomie). Sollte das vorgefallene Bandscheibengewebe leicht zu entfernen sein, ohne den Nerv stark bewegen zu müssen, kann man dies tun. Sollte dies nicht möglich sein, genügt die Entlastung von hinten. Der Nerv hat jetzt genug Platz, um nach hinten dem Druck ausweichen zu können.